Förderung

Sonderpädagogische Arbeit an der Grundschule am Diebsturm

Kein Kind ist wie das andere. Jedes lacht, singt, spricht, bewegt sich oder nimmt Dinge auf seine individuelle Art und Weise wahr, die es einzigartig machen. Das ist immer schon so gewesen und auch gut so. Und doch gibt es Kinder, die aufgrund der unterschiedlichsten Begebenheiten, ob Krankheiten oder für sie ungünstige Lebensumstände noch einmal mehr individueller sind: Der Spracherwerb, eine altersgemäße Konzentrationsfähigkeit oder geschmeidige Bewegungsabläufe fallen ihnen schwerer als anderen. Weitere scheinen sich nur schwer an Regeln halten zu können, sind laut und frech oder aber übermäßig angepasst, zurückgezogen und reagieren kaum auf Ansprache.
Schon immer beginnt mit der Einschulung für jedes Kind ein neuer Lebensabschnitt, der sowohl Freude als auch Herausforderungen mit sich bringt. Besonders auf die Kinder, die sich vielleicht bisher in einem oder mehreren Bereichen etwas langsamer entwickelt haben als die neuen Klassenkameraden, wollen wir deshalb verstärkt achten, sie besser kennenlernen, ermutigen und unterstützen, damit auch sie erleben, dass es ganz wunderbar ist, ein Schulkind zu sein.
Frau Rudinger und Frau Thiel arbeiten an unserer Schule in den Förderschwerpunktbereichen Lernen, Sprache, soziale & emotionale, körperliche & motorische sowie geistige Entwicklung. Als Förderschullehrerinnen sind sie im Auftrag des für uns zuständigen Beratungs- und Förderzentrums der Gallus-Schule Grünberg für vorbeugende und begleitende Förderung und Diagnostik der Schüler sowie Beratung von Kollegen und Eltern tätig.
Für den Erfolg unserer präventiven und sonderpädagogischen Arbeit ist eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und allen an der Förderung des Kindes beteiligten Personen (wie Lehrkräfte, Beratungsstellen, Frühförderstellen, schulpsychologische, schulärztliche und sozialen Dienste, Fachpraxen, o.a.) unbedingt erforderlich. Ziel ist dabei, das Verständnis für die Förderbedürfnisse des Kindes zu verbessern sowie schulische Anforderungen und die aktuelle Lebenssituation aufeinander abzustimmen und Überforderungen zu vermeiden.

Wie sieht nun diese besondere Arbeit in der Praxis aus?
Ob Vorklassenkinder, Erstklässler oder Quereinsteiger: Gewöhnlich wird während der ersten sechs bis acht Beschulungswochen durch Beobachtung und Diagnostik das individuelle Lern- und Entwicklungsniveau des Kindes ermittelt. Dies stellt die Basis für die Inklusionsarbeit dar.

Das aus unserem Fundus individuell zusammengestellte Differenzierungsmaterial sowie ein Trainingsplan werden auf das entsprechende Kind zugeschnitten, ihm schließlich vorgestellt und gemeinsam der ergebnisorientierte Umgang damit geübt.

Die praktische Umsetzung vorbeugender und sonderpädagogischer Fördermaßnahmen findet je nach Bedarf und Sinnhaftigkeit unterrichtsimmanent, in Kleingruppen oder im Rahmen einer Einzelförderung statt.

Nicht nur bei unserer Arbeit im Bereich der Sonder- und Heilpädagogik, aber ganz besonders im Hinblick auf eine gelungene Inklusion lautet unser Motto „Jedem das Seine“, denn wir wollen gerade NICHT allen das Gleiche „vorsetzen“ und zu denselben Zielen „schleifen“:

  • Wir wollen mit Blick auf die individuellen Möglichkeiten fördern, um diese ausschöpfen und erweitern zu können.
  • Wir wollen in gemeinsamen, einzelnen und offenen Lern- und Arbeitsphasen jeden Schüler auf seinen eigenen Wegen und in seiner eigenen Geschwindigkeit fördern.
  • In unserer Schule darf jedes Kind wissen: Egal, wer und wie ich bin, ich gehöre mit meinen individuellen Besonderheiten und Fähigkeiten zur Schulfamilie.

Förderbedarf im Bereich Sprechen & Sprache

Alle Kinder bringen unterschiedlichste Erfahrungen mit in die Schule, die sie sich in verschiedenen Situationen durch ihr Handeln und Sprechen erworben haben. Erst langsam tasten sie sich an das System der Schrift- und Zeichensprache heran. Um erfolgreich Schreiben lernen zu können, muss jedoch die Sprachentwicklung bis zu einem gewissen Punkt fortgeschritten sein. Grundvoraussetzung dafür ist die Fähigkeit, Sprache in einem ausreichenden Maße zu besitzen und sie richtig anwenden zu können.
(Bewegungs-)Handeln, Sprechen und Schreiben stellen eine logische Ereignisfolge in der regulären Entwicklung eines Kindes dar. Der Schreiblernprozess ist also ein Teil der fortschreitenden Sprachentwicklung und der immer differenzierter und komplexer werdenden Sprachbeherrschung, die sich letztlich immer mehr verdichtet und in der Schriftsprache mündet.
An der Schule am Diebsturm werden vorrangig Schüler und Schülerinnen aus Vor- und Anfangsklassen gefördert und unterstützt, deren Sprachbeeinträchtigungen das schulische Lernen und/oder die soziale Integration in der Klasse beeinträchtigen.
Was kann man sich aber eigentlich unter „Sprachauffälligkeiten“ vorstellen? Sie können sich im Bereich der Sprachaufnahme, Sprachverarbeitung und Sprachgestaltung äußern. Aus der Fülle von Sprachauffälligkeiten zeigen sich bei unseren Schulkindern am häufigsten die Folgenden:

  • Artikulationsstörung (einer oder mehrere Laute werden noch nicht richtig gebildet, ausgelassen oder durch andere ersetzt)
  • Sprachentwicklungsverzögerung
  • Beeinträchtigungen im Sprachverständnis (Aufforderungen oder Bedeutungen bestimmter Worte werden nicht richtig verstanden)
  • Einschränkung im Wortschatz (es wird nur eine begrenzte Anzahl an Wörtern erkannt und/oder verwendet)
  • Dysgrammatismus (Wörter oder Satzteile werden ausgelassen oder in unstimmiger Reihenfolge wiedergegeben)
  • Lese-Rechtschreib-Schwäche oder „LRS“ (Kinder mit LRS brauchen oft lange, beim Lesen den Sinn zu erfassen oder beim Diktat das Gehörte in Schrift umzusetzen. Diese Schwäche wird oft durch mangelnden Fleiß, Desinteresse, geringe Begabung oder fehlende Konzentration zu erklären versucht, wenn das Phänomen LRS nicht als solches erkannt wird.)

Der Schwerpunkt unserer Sprachheilarbeit liegt darüber hinaus im präventiven Bereich. Gemeinsam mit der Schulleitung nimmt Frau Thiel so stets am Schuleingangsverfahren teil, um bereits bis zu 1,5 Jahre vor Schulbeginn die Schulanfänger und Schulanfängerinnen kennenzulernen und bietet die Möglichkeit einer frühzeitigen Beratung an.
Zeigen sich schon in der Schulanfangsphase Auffälligkeiten bei einem Kind, wird es im Bereich der phonologischen Bewusstheit gefördert.
Da Motorik und Wahrnehmung zu den Basisfunktionen der ontogenetischen Entwicklung eines Menschen und damit auch eine Vorstufe für die Sprachentwicklung darstellen, ist die Sprachheiltherapie grundsätzlich ganzheitlich angelegt: Sie sollte Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Spiel- und Kommunikationselemente enthalten.
Neben der Förderung im Sprach- und Kommunikationsverhalten wie auch im Bereich der Stimme und Atmung erhalten unsere Schülerinnen und Schüler so auch Unterstützung in den Bereichen der

  • Sensomotorik,
  • Wahrnehmung (taktil-kinästhetisch, auditiv, rhythmisch, visuell),
  • Fein- und Graphomotorik sowie
  • Arbeits- und Sozialverhalten (Aufmerksamkeit, Konzentration, Ausdauer, etc.).

 

 

Förderbedarf im Bereich Lernen
Dieser Bereich befindet sich noch im Aufbau.

 

 

Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung

An der Schule am Diebsturm beschulen wir aktuell 3 Kinder mit Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung.
Unsere betroffenen Schülerinnen und Schüler können sich bei uns ihren Möglichkeiten entsprechend erfolgreich entwickeln und gemeinsam mit den regulär beschulten Kindern lernen, da ihr Sprachverständnis grundsätzlich besser entwickelt ist, als vergleichsweise andere Entwicklungsbereiche (wie beispielsweise logisches Denken, Arbeitsgedächtnis oder Verarbeitungsgeschwindigkeit).
Unsere verwendeten Fördermaterialien beziehen sich auf die Bereiche Deutsch, Mathematik sowie Wahrnehmung & Motorik.
Im und neben dem normalen Unterrichtsgeschehen fördern wir unsere Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung in lebenspraktischen Situationen.
Trainingseinheiten in Bereichen wie beispielsweise

  • Selbstversorgung (Körperpflege/Hygiene/Ernährung/Kleidung u.a.)
  • Soziale Beziehungen (Freundschaften/Familie/Konfliktverhalten u.a.)
  • Sprache & Kommunikation (Auskunft geben & einholen/telefonieren u.a.)
  • Bewegung & Mobilität (Verkehrserziehung/-orientierung/Spiel/Sport u.a.) oder
  • Erlebnisgebundene Förderung (Tiergestützte Pädagogik)
    gehören zum regelmäßigen Förderprogramm, welches wöchentlich im Rahmen einer zusätzlichen Doppelstunde stattfindet.

 

Tiergestützte Pädagogik 
Ab dem Schuljahr 2012/2013 wird an der Schule am Diebsturm unter anderem „tiergestützt“ gearbeitet. Frau Thiel hat gemeinsam mit ihrem Hund „Tino“ eine Ausbildung zur Hundeführerin mit Lerntherapiehund absolviert. Als Team dürfen sie in Schulen, Kindergärten, Alten- und Behindertenheimen arbeiten.
Unser Schulhund zählt zu der Rasse der Labradore, die für ihr gutmütiges Wesen bekannt sind. Sie gehen mit fremden Menschen ebenso freundlich wie mit Kindern und anderen Tieren um. Da Labradore sehr intelligente Tiere sind, ist es wichtig, dass sie auch arbeiten und ihren Kopf gebrauchen dürfen. Aufgrund ihrer positiven Wesensbeschreibung sind sie als Lerntherapiehunde – und somit als Einsatzhund für die Schule– besonders gut geeignet.
Aber warum überhaupt ein Hund in der Schule? Von der positiven Wirkung von Delfin- und Hippotherapien hat man eventuell schon gehört. In letzter Zeit kommt die tiergestützte Pädagogik immer mehr zum Einsatz, die nur allein durch die Anwesenheit eines Tieres im Unterricht positive Auswirkungen auf das Lern- und Sozialverhalten in der Klasse hat.
Gerade vor dem Hintergrund einer inklusiven Beschulung wird der Hund an unserer Schule

  • dem Unterricht in gezielten Klassen beiwohnen, um die sozialen und kommunikativen Prozesse in der Klasse zu verbessern. (Hund als passiver Begleiter)
  • den Kindern eine Früherziehung im Umgang mit einem Hund zu ermöglichen (z.B. Erwerb eines Hundeführerscheines). Der Hund ist hier aktiv in das Geschehen einbezogen, übernimmt beispielsweise eine Rolle im Spiel, ist Interaktionspartner, lässt sich anfassen, reagiert auf Kommandos, ist Spielpartner und Helfer. (Hund als aktiver Begleiter)
  • in der Kleingruppenförderung eingesetzt und ist aktiver Bestandteil der Förderstunden (wie in der präventiven Sprachheilarbeit). Er regt zur gestützten Kommunikation, zum Sprechen und zur Interaktion an (z.B. „Darf ich den Hund streicheln?“, Geburtstagspäckchen für den Hund packen, Einladung für den Hund schreiben, o.ä.) und ist somit Mittelpunkt des Sprachhandelns.

Tino

Vorbeugende Maßnahmen an der Schule am Diebsturm  – in aller Kürze –

  • Frühdiagnostik
    Schulleitung & Förderschullehrer sind bereits 1,5 Jahre vor der Einschulung in allen abgebenden Kindergärten präsent, informieren, diagnostizieren & beraten.
  • Vorlaufkurs
    Unsere Kinder mit Migrationshintergrund mit Sprech- und Sprachschwierigkeiten erhalten hier eine besondere Sprachförderung während des Schuljahrs vor ihrer Einschulung.
  • Vorklasse
    Unsere Kinder erhalten hier Zeit und Raum, im Hinblick auf ihre weitere Entwicklungs- und Schullaufbahn „auszureifen“. Neben unterschiedlichen Lernangeboten, Turnen, Schwimmen, Kunst und Musik ist hier im Rahmen der tiergestützten Pädagogik besonders der Einsatz unseres Schulhundes Tino zu erwähnen.
  • Championsgruppe
    Unsere Kinder der zweiten Klasse lernen hier das wichtige „Handwerkszeug für Schulkinder“ kennen,  Arbeits- und Lernstrategien auszuwählen & anzuwenden und erleben, dass Lernen Freude machen kann.
  • Förderkurse
    Unsere Kinder aller Jahrgangsstufen erhalten hier in den Fächern Deutsch & Mathematik Gelegenheit zur gezielten Wiederholung, Übung & Festigung des Unterrichtsstoffes.

Stand: September 2014

 

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